Der demografische Wandel macht sich längst auch in der Wohnungslosenhilfe bemerkbar. So begleiten wir in der Evangelischen Bahnhofsmission Fürth e.V. immer mehr Menschen, die nicht nur von Wohnungslosigkeit und den daraus resultierenden psychosozialen Problemlagen betroffen sind, sondern zugleich immer älter werden. Der Altersdurchschnitt unserer Klienten beträgt derzeit 60 Jahre.
Menschen, denen es nicht möglich ist, allein ohne Unterstützung (sowohl finanzieller Art als auch Unterstützung im Alltag) in einer Wohnung zu leben, sind unter anderem auf Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe angewiesen. Denn geeigneter Wohnraum ist knapp und bezahlbarer Wohnraum fast nicht mehr vorhanden. Barrierefreie und bezahlbare Wohnungen, die ältere oder pflegebedürftige Menschen mit geringem Einkommen benötigen würden, sind rar.
Die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt und die alternden Klientinnen und Klienten mit zunehmender Pflegebedürftigkeit stellen uns als Einrichtung vor besondere Herausforderungen. Viele Klientinnen und Klienten bringen gesundheitliche Einschränkungen mit: chronische Erkrankungen, Abhängigkeitskrankheiten und zunehmend auch (anbahnende) Pflegebedürftigkeit. Für betroffene Menschen bedeutet das, dass sie nicht nur eine Bleibe, sondern auch intensive Unterstützung im Alltag benötigen. Diese Unterstützung können wir in Form von Betreutem Wohnen (6 Plätze) oder der Unterbringung in unserem Sozialtherapeutischen Übergangsheim (24 Plätze für Männer) bieten.
Während sich unsere betreuten Wohnungen in einem moderneren Hochhaus befinden, sind die Altbau-Immobilien des Sozialtherapeutischen Übergangsheimes nicht barrierefrei. Es gibt steile Treppen, enge Flure, keine rollstuhlgerechten Zugänge oder Aufzüge.
Pflegeheime wiederum schließen Menschen mit Abhängigkeitserkan-kungen (häufig) aus. So entsteht eine Versorgungslücke, in die viele Menschen fallen: zu krank für ein Leben in einer Einrichtung, aber ohne Chance auf eine alternative Unterbringung.
Wenn Klientinnen und Klienten in unserer Einrichtung eine intensivere Pflege benötigen, die wir nicht mehr leisten können, finden wir durch altersgerechte Betreuungsangebote und der Zusammenarbeit mit einem ambulanten Pflegedienst vorübergehend individuelle Lösungen. Dieser unterstützt uns sowie unsere Klientinnen und Klienten überwiegend in den Bereichen: Hauswirtschaft, Körperpflege und Diabetesversorgung. Gerade diese vielfältigen Unterstützungsleistungen zeigen, wie sehr sich die Anforderungen an unsere Arbeit verändern und erweitern.
Die Lage in unserem Haus macht deutlich, dass die Wohnungslosenhilfe mitten im bereits schnell voranschreitenden demografischen Wandel steckt und schnelle, tiefgründige Veränderungen benötigt.
Jasmin von Poblocki
stellvertret. Geschäftsführerin
Evang. Bahnhofsmission Fürth
