Liebe Freunde und Mitglieder der Bahnhofsmission Fürth,
in der christlichen Theologie symbolisiert das Reich Gottes eine ideale Zukunft, die von Gerechtigkeit, Liebe und Frieden geprägt ist. Verfolgt man täglich die Nachrichten, scheint jedoch das Reich Gottes in weiter Ferne: Kriege, die so sinnlos unzählige Menschenleben kosten; Krisen, die kein Ende zu nehmen scheinen; persönliche Schicksale, die an den Kräften zehren.
Die vielen bedrängenden Themen unserer Zeit lassen manchmal ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit aufkeimen.
Der Vers eröffnet gerade hier eine überraschende Perspektive: Es ist nicht etwas Fernes, das wir irgendwann „sehen“ werden, sondern es ist mitten unter uns.
Nicht als Weltgeschehen, spektakulär und groß, sondern oft im Stillen, im Kleinen, im Verborgenen. Es ist unter uns, in unserem Inneren – eine innere Haltung, die nach außen getragen werden will. Sie ist Gottes Geschenk, dass in jedem von uns angelegt ist. Vielmehr darf das Reich Gottes als „räumlich“ beschriebene Variante der Frage nach der Gottesliebe verstanden werden.
Dort, wo Wertschätzung, Fürsorge und Hoffnung Gestalt annehmen, jedes soziale Engagement sind Markierungen dafür, dass das Reich Gottes inwendig in und mitten unter uns ist. Wir versuchen unseren Blick zu schärfen und das Göttliche in all dem Chaos dieser Welt zu entdecken und tragen dazu bei, Momente zu schaffen, in denen die Werte des Friedens, der Liebe und der Gerechtigkeit bereits Wirklichkeit werden können. Es stellt uns deutlich in die Verantwortung und fordert uns heraus, daran aktiv mitzuwirken.
Gerade in der Arbeit mit Menschen, die obdachlos sind oder am Rande der Gesellschaft leben, soll diese Gewissheit trösten und stärken: Gottes Reich ist mitten unter uns. Es ist auch da, wenn jemand unter der Brücke, in einem provisorischen Zelt oder auf dem Bahnhofsplatz sitzt. Es ist auch da, wenn im Haus der Bahnhofsmission ein warmes Essen gereicht wird, wenn ein Gespräch geführt wird, wenn ein Ohr zuhört. Es heißt: Gott ist bei jedem dieser Menschen. Er steht in ihrer Mitte und lädt uns ein, ihm zu begegnen.
Darum lassen Sie uns gemeinsam beten: für Augen und Herzen, die das Reich Gottes sehen – und Hände, die ihm dienen.
Möge unser Dienst in der Bahnhofsmission ein sichtbarer Ausdruck dessen sein, dass Gottes Gegenwart realer ist, als alle Leere, die Menschen erdulden müssen. Amen.
Annegret Stahl
Diakonin und Sozialpädagogin
Evang. Bahnhofsmission Fürth
